Elemente der Philosophie Karl Poppers

12.Veranstaltung der HUMBOLDT-GESELLSCHAFT am 15.07.95 von Stefan Nehrkorn



Als Kernstück der Sitzung vom 15.07.95 dienen zwei Sendungen einer mehrteiligen NDR-Produktion von Uwe Zimmermann (1990) über das philosophische Werk Poppers. Die Titel der Sendungen lauten:

- "Wir wissen nicht - wir raten " und

- "Laßt Theorien sterben - nicht Menschen".

Im ersten Teil geht es um wissenschaftstheoretische Überlegungen, deren Ausgangspunkt das 1934 erschienene Buch Poppers "Logik der Forschung" bildet. Popper - bekannt als Philosoph der die Bescheidenheit propagiert - möchte diese jedoch nicht nur auf der abstrakten naturwissenschaftlichen Ebene verwirklicht sehen, sondern auch auf geisteswissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher und alltäglich-lebensweltlicher Ebene. So beschäftigt sich der zweite Teil mit dem geschichtsphilosophischen Ansatz Poppers. Er möchte die Bescheidenheit des "Nichtwissens" als "Waffe" gegen jede Form der Ideologie verstanden sehen. Allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten der Geschichte existieren für ihn nicht. Der Lauf der Geschichte ist unvorhersagbar (Schlagwort: Historizismus). Das Mißtrauen gegen jede Ideologie beschreibt er in dem zweibändigen Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Popper kritisiert in diesen Büchern vor allem die "Ideologieträchtigkeit" Platons, Hegels und Marx. Im Folgenden sollen einige zentrale Aussagen -stichwortartig bis mißverständlich- nachgezeichnet werden.


Erster Teil

Popper ist der Philosoph der Bescheidenheit: Alles Wissen ist Vermutungswissen. Wir wissen nicht, wir raten.

Es gibt keine sicheren Wahrheiten. Es gibt nur Hypothesen, zu deren Aufgabe man jederzeit bereit sein muß.

Die Kritik ist wichtiger als das Dogma.

Es gibt Wahrheiten aber keine Sicherheit.

Beispiel: Der Induktionsschluß (Der Weg vom Einzelnen zum Allgemeinen): Bei der Beobachtung eines Sees sieht der Betrachter eine große Anzahl von weißen Schwänen. Er schließt: Alle Schwäne sind weiß! Doch plötzlich sieht er einen schwarzen Schwan. Die Hypothese muß als falsch gelten.

Alle Theorien sind vorläufig.

Man muß naturwissenschaftliche Hypothese so gestalten, daß man die Ereignisse benennen kann, nach deren Eintreten die Theorie als falsch zu gelten hat. (Falsifikation)

Lernen durch Versuch und Irrtum.

Falsifikation statt Verifikation

Mutmaßung statt Anmaßung


Zweiter Teil

Kritik an Platons "Der Staat". Der Frage Platons: "Wer soll regieren" setzt Popper die Frage entgegen: "Was müssen wir tun, um Machtmißbrauch zu verhindern".

Die Abwählbarkeit der Regierung ist das Kernstück der Demokratie.

Augenmaß und Offenheit sind wichtige Elemente der Politik. Abschätzung von möglichen Folgen und schrittweises Reformieren lauten die demokratischen Imperative Poppers.





Weiterführende Literatur:

Alt, Jürgen A. : Karl R. Popper, Reihe Campus, 1992.

Karl R. Popper: Logik der Forschung, 1934.

Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 2 Bd. (I. " Der Zauber Platons" II. "Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen") 1945.

Karl R. Popper: Das Elend des Historizismus, 1945.

Karl R. Popper: Die Zukunft ist offen, Altenberger Gespräch mit K. Lorenz, 1985.

Karl R. Popper: Ausgangspunkte - meine intellektuelle Entwicklung. 1994.


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